Für Geist & Seele - Evangelische Kirchengemeinde Buchen (Odenwald)

Für Geist & Seele

Liebe Gemeinde, das vergangene Jahr hat uns schwer auf die Probe gestellt. Das vermeintlich dicke Eis, auf dem wir uns lange Zeit in Sicherheit fühlten, hat plötzlich Sprünge bekommen.

- Gedanken zum Jahreswechsel von Diakonin Johanna Moelter-Reich -

Ob das Schlimmste dieser Pandemie nun bereits hinter uns oder noch vor uns liegt, wissen wir nicht. Wir wissen auch noch nicht, ob die Auswirkungen von Corona unseren Blick nun tatsächlich auf das Wesentliche gelenkt haben und wenn ja, ob das von Dauer sein wird.

Sicherlich hat das Virus uns aber mittlerweile alle zum Nachdenken gebracht. Und es drängt sich die Frage auf, ob wir Menschen vielleicht solche Krisen brauchen, damit wir wirklich wachgerüttelt werden und nicht nur ein wenig umdenken, sondern auch unser Handeln neu daran ausrichten. Läuft alles in geregelten Bahnen, fühlen wir uns doch zumeist recht wohl in unserem Alltagstrott und halten gerne an der „Das-war-schon-immer-so Logik“ fest. Sie ist bequem und gibt uns Halt. Mühsam und beängstigend ist es jedoch, wenn man plötzlich dazu gezwungen wird, anzuhalten und neue Wege zu gehen. Sie sind meistens unbequem und sehr beschwerlich. Nicht selten bedarf es eines großen Rucks, bevor man sich auf unbekanntes Terrain begibt. So haben auch die unerschrockenen „Bremer Stadtmusikanten“ erst dann den Aufbruch in ein neues Leben gewagt, als ihnen klar geworden war, dass sie anderswo etwas Besseres als der Tod erwartet.Diese Hoffnung auf das Leben gab ihnen die Kraft für ihre Reise ins Ungewisse.

Auch Sie mussten in der Familie, im Bekanntenkreis, in den Schulen und den Seniorenheimen zahlreiche unbekannte Pfade einschlagen. Diese lösten sicherlich nicht nur Neugierde, sondern auch Ängste und Sorgen aus. Unsere Kirchengemeinde hat in dieser Krise ebenfalls neue Wege gesucht, um trotz der Kontaktsperren weiterhin in Verbindung mit Ihnen zu bleiben. Das ist zwar punktuell dank der Mithilfe vieler Mitarbeiter*innen immer wieder gelungen – aber dennoch hat es das reale Beisammensein und das gemeinsame Feiern bei Weitem nicht ersetzt. Die virtuellen Netzwerke konnten trotz allem Bemühen nicht das Gefühl echter Zusammenkünfte vermitteln. Und so können wir nur hoffen, dass dies bald wieder uneingeschränkt möglich sein wird.

Corona hat uns somit auch schmerzlich gezeigt: Unsere Welt ist und bleibt verletzlich und bedarf der persönlichen Zuwendung – ganz so, wie es auch in der Jahreslosung für 2021 zum Ausdruck kommt:

Jahreslosung 2021

"Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!" (Lukas 6,36)

Gerade in Zeiten der Unsicherheit, in denen uns unsere Hilflosigkeit klar vor Augen geführt wird, sind wir auf Barmherzigkeit angewiesen. Wir alle durften in unserem Leben schon Gnade und Barmherzigkeit erfahren. Aus dieser Kraft leben wir, weil Gott die Liebe ist. Diese Kraft bringt uns immer wieder zusammen und kann sogar Leben retten, wie uns das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt. Wo Menschen Gott begegnen und vertrauen, erfahren sie Heilung. Corona hat uns auch zusammengeführt. Wir haben Solidarität gespürt und uns neu gefunden. Vielleicht sind wir auch ein kleines bisschen dankbarer geworden und demütiger. Bei all den Herausforderungen, vor die wir dieses Jahr gestellt werden, brauchen wir Heilung. Heilung für unser Miteinander. Barmherzigkeit als Impfstoff für die Seele.

Ein gesegnetes neues Jahr 2021 wünscht Ihnen Ihre Kirchengemeinde. Möge es ein Jahr voller Barmherzigkeit und Liebe sein.

Wochenspruch

 "Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jeremia 17,14)

Ausschau halten....

FroschWie oft mag ich die Straße mit unserem Hund schon hinuntergegangen sein? Eines Tages entdeckte ich ihn: den Frosch mit Fernglas an einem Gartenzaun. Ich blieb stehen, verwundert und belustigt zugleich: Ein Spanner am Gartenzaun? Wenn ja, dann immerhin ein fröhlicher Zeitgenosse! Er könnte aber auch nach jemandem Ausschau halten, der ihm wichtig ist. Beim nächsten Mal achtete ich darauf, wohin der Frosch seinen Blick richtet, und entdeckte: Er schaut, wer auf den Parkplatz neben dem Haus fährt und aussteigt. Auf den freut er sich anscheinend so, dass er diesen Augenblick nicht verpassen will. Eine Liebeserklärung also ist dieser Frosch oder zumindest ein Symbol froher Erwartung! Wonach halten wir Ausschau? Paare, die einer Fernbeziehung leben, freuen sich jedes Mal neu darauf, den geliebten Menschen endlich wieder in die Arme schließen zu können. Andere sehnen sich danach, wieder zu genesen. Viele von uns hoffen dem Ende der Pandemie entgegen. Wer kann die Menschen rund um den Erdball zählen, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit? So viele Situationen gibt es, wo wir am liebsten ein Fernglas in die Hand nehmen würden, um den Silberstreif am Horizont so früh wie möglich wahrzunehmen.

Die Jünger Jesu und alle, denen Jesus wichtig war, sehnen sich nach Karfreitag danach, aus diesem Alptraum zu erwachen. Das Erstaunliche geschieht. "Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben", schreibt der Apostel Paulus im 1. Brief an die Christen in Korinth. Was jenseits dessen ist, was wir Menschen jemals zu hoffen wagten: Jesu Tod ist nicht das Ende. Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Das Licht seiner Auferstehung kann niemand mehr auslöschen. Gott hat uns diesen Silberstreif am Horizont geschenkt für den Alltag mit seinen Herausforderungen und besonders für die Situationen, in denen wir sehnsüchtig Ausschau halten. Mancher dieser Wünsche wird wohl in dieser Welt unerfüllt bleiben. Aber mit Jesu Auferstehung hat Gott den Himmel weit geöffnet. Wo immer wir sein Licht wahrnehmen, seine Nähe spüren ist das ein Vorschuss auf Gottes endgültiges Reich. Dort wird es keine Krankheit, keine Schmerzen und keinen Tod mehr geben.

Es lohnt sich, die Augen offen zu halten. Denn manches Fundstück vermag eine ungeahnte Botschaft zu entfalten wie der Frosch mit dem Fernglas. Es lohnt sich aber auch, immer wieder Ausschau zu halten nach Hoffnungszeichen in unserer Welt.

Gesegnete Osterzeit!

Ihre Irmtraud Fischer, Pfarrerin i. R.

Evangelische Kirchengemeinde Buchen

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