Für Geist & Seele - Evangelische Kirchengemeinde Buchen (Odenwald)

Für Geist & Seele

Die vier Kerzen

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. Es war still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen. Die erste Kerze seufzte und sagte: "Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht." Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz. Die zweite Kerze flackerte und flackerte und sagte: "Ich heiße Glauben. Auch ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne." Ein Luftzug wehte durch den Raum und die Kerze war aus. Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort: "Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen." Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht. Dann kam ein Kind ins Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: "Aber, aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!" Und es fing an zu weinen. Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: "Hab' keine Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung." Mit einem Streichholz nahm das Kind ein Licht von der Kerze und zündete die anderen Kerzen wieder an.

Jahreslosung 2022

"Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen" (Johannes, Kap. 6)

Gerade in Zeiten der Unsicherheit, in denen uns unsere Hilflosigkeit klar vor Augen geführt wird, sind wir auf Barmherzigkeit angewiesen. Wir alle durften in unserem Leben schon Gnade und Barmherzigkeit erfahren. Aus dieser Kraft leben wir, weil Gott die Liebe ist. Diese Kraft bringt uns immer wieder zusammen und kann sogar Leben retten, wie uns das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt. Wo Menschen Gott begegnen und vertrauen, erfahren sie Heilung. Corona hat uns auch zusammengeführt. Wir haben Solidarität gespürt und uns neu gefunden. Vielleicht sind wir auch ein kleines bisschen dankbarer geworden und demütiger. Bei all den Herausforderungen, vor die wir dieses Jahr gestellt werden, brauchen wir Heilung. Heilung für unser Miteinander. Barmherzigkeit als Impfstoff für die Seele.

Ein gesegnetes neues Jahr 2022 wünscht Ihnen Ihre Kirchengemeinde. Möge es ein Jahr voller Barmherzigkeit und Liebe sein.

Wochenspruch

 "Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, dir ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." (Matthäus 1,28)

Ausschau halten....

FroschWie oft mag ich die Straße mit unserem Hund schon hinuntergegangen sein? Eines Tages entdeckte ich ihn: den Frosch mit Fernglas an einem Gartenzaun. Ich blieb stehen, verwundert und belustigt zugleich: Ein Spanner am Gartenzaun? Wenn ja, dann immerhin ein fröhlicher Zeitgenosse! Er könnte aber auch nach jemandem Ausschau halten, der ihm wichtig ist. Beim nächsten Mal achtete ich darauf, wohin der Frosch seinen Blick richtet, und entdeckte: Er schaut, wer auf den Parkplatz neben dem Haus fährt und aussteigt. Auf den freut er sich anscheinend so, dass er diesen Augenblick nicht verpassen will. Eine Liebeserklärung also ist dieser Frosch oder zumindest ein Symbol froher Erwartung! Wonach halten wir Ausschau? Paare, die einer Fernbeziehung leben, freuen sich jedes Mal neu darauf, den geliebten Menschen endlich wieder in die Arme schließen zu können. Andere sehnen sich danach, wieder zu genesen. Viele von uns hoffen dem Ende der Pandemie entgegen. Wer kann die Menschen rund um den Erdball zählen, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit? So viele Situationen gibt es, wo wir am liebsten ein Fernglas in die Hand nehmen würden, um den Silberstreif am Horizont so früh wie möglich wahrzunehmen.

Die Jünger Jesu und alle, denen Jesus wichtig war, sehnen sich nach Karfreitag danach, aus diesem Alptraum zu erwachen. Das Erstaunliche geschieht. "Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben", schreibt der Apostel Paulus im 1. Brief an die Christen in Korinth. Was jenseits dessen ist, was wir Menschen jemals zu hoffen wagten: Jesu Tod ist nicht das Ende. Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Das Licht seiner Auferstehung kann niemand mehr auslöschen. Gott hat uns diesen Silberstreif am Horizont geschenkt für den Alltag mit seinen Herausforderungen und besonders für die Situationen, in denen wir sehnsüchtig Ausschau halten. Mancher dieser Wünsche wird wohl in dieser Welt unerfüllt bleiben. Aber mit Jesu Auferstehung hat Gott den Himmel weit geöffnet. Wo immer wir sein Licht wahrnehmen, seine Nähe spüren ist das ein Vorschuss auf Gottes endgültiges Reich. Dort wird es keine Krankheit, keine Schmerzen und keinen Tod mehr geben.

Es lohnt sich, die Augen offen zu halten. Denn manches Fundstück vermag eine ungeahnte Botschaft zu entfalten wie der Frosch mit dem Fernglas. Es lohnt sich aber auch, immer wieder Ausschau zu halten nach Hoffnungszeichen in unserer Welt.

Gesegnete Osterzeit!

Ihre Irmtraud Fischer, Pfarrerin i. R.

Evangelische Kirchengemeinde Buchen

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